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Seberg on stage: Überall Männer – und eine Kommunistin…

  • Autorenbild: Robert Helbig
    Robert Helbig
  • 4. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Ein bissl weißer ist seine hinlänglich bekannte Mähne geworden. Ansonsten hat er nix verloren von seiner Eloquenz: Gregor Seberg brachte ein Feuerwerk an Gags auf die Theatercafe-Bühne, als er seine „Schatzkiste“ öffnete.


Gregor Seberg bei seinem Heimspiel auf der Theatercafe-Bühne
Gregor Seberg bei seinem Heimspiel auf der Theatercafe-Bühne

Auch wer mit dem Titel „Schatzkiste“ nix anzufangen wusste, war dennoch gut unterhalten. Eigentlich wusste Seberg auch nicht so recht, was er in dieser Kiste so hatte. Wohl aber viel wortgewaltige Gag`s, meist Stegreif. Und das Publikum, vorwiegend in der ersten Reihe als Teil des Spontan-Geschehens. Man konnte meinen, der Meister der Schlagfertigkeit spielt hier so etwas wie ein Interaktions-Theater. Zwei Schwestern in Reihe eins, mit südländisch klingenden Vornamen hat er gleich „inhaliert“. Woher sie denn kämen, fragte er: Aus Mariatrost. Das war für ihn dann ein geschlossener Bereich von Graz, wo das Weltgeschehen kaum Eingang findet…

 

Sich selbst persiflierend bekannte er sich, in der Triestersiedlung aufgewachsen zu sein. „Da spielt das ganze Leben. Im Süden der Zentralfriedhof, im Norden die architektonisch wertvolle Karlau…“ Zu einer laut lachenden Dame: „Das tät i jetzt net – denn irgendwann treffen wir uns wieder… ja, dort im Süden, am… sie wissen schon“. Sodann begann er seinen Gegenwarts-Biologie-Vortrag. „Das Hirn der Menschen wird immer größer, durch Proteine, also Platz für mehr Dummheit“. Dabei blickte er Richtung Westen, „sie wissen schon, der da drüben“. Danach nach Osten gewandt „…und der dort erst recht“.


 

Der Vollblut-Kabarettist fühlt sich wohl inmitten seines Publikums
Der Vollblut-Kabarettist fühlt sich wohl inmitten seines Publikums

Die Lacher wurden immer komprimierter, je länger die über mehr als zwei Stunden verteilten Gags zu Stakkato-ähnlicher Geschwindigkeit von der Bühne prasselten. Florian Klein, der Fußball-Experte auf Servus-TV, wegen dessen Redegeschwindigkeit die meisten Zuseher bei Übertragungen den Ton wegschalten, ist ein Lehrling dagegen. „Wir, die westliche Gesellschaft, also Europa, Kanada, Australien – i hab jetzt eh niemand vergessen. Und in dieser Gesellschaft regieren die Männer. Männer führen Kriege, Männer leiten die Wirtschaftskammer – das ist aber nix Böses gegen Harald Mahrer – Männer sind abwesende Väter. Überall Männer – und eine Kommunistin…

 

Wir Menschen, folgerte Seberg, machen alles kaputt auf der Welt, auch die Samenzellen. Wir sterben aus, gerade wir in der westlichen Welt. Aber das System mit den Samenspenden ist noch net ausgereift. Muß i als Spender alles allein daham machen, mit einem Rex-Glasl. Oder gibt`s bald amal Arzt-Ordinationen mit Hilfspersonal…? Doch zur Erleuchtung bekam ich neulich Besuch von den Zeugen Jehowas. Die versprachen, dass deshalb bald schon ein Bannstrahl von Gott alle Bösen treffen und töten werde. Da fragte ich nach: und wenn ich, zum Beispiel bei einem Fußballspiel im Stadion Liebenau stehe, rundum lauter Böse – ich meine, sind auch GAK-Anhänger hier…? - so erkennt man die Bösen, wenn sie jetzt Buh rufen. Ein Tipp an alle im Publikum: mit dieser Frage haben sie bestimmt eine Ruhe von den Jehowas. Sodann stieg Seberg von der Bühne, zwängte sich durchs Publikum und schüttelte einem bekennenden GAK-Anhänger in Dankbarkeit die Hand.


Formatfüllend wie man ihn kennt und bald wieder in der Soko-Donau
Formatfüllend wie man ihn kennt und bald wieder in der Soko-Donau

Politisieren wollte Gregor so überhaupt nicht „das liegt mir ganz fern“. Traurig ist nur, dass der Herbert, eh scho wissen, net Kanzler worden ist, weil deshalb haben wir in Österreich keine berittene Polizei. Die wäre jetzt aber zeitgemäß, wo wir, ich meine der Arnautovic und … nach Amerika fliegen und somit zur Elite des Sports aufgestiegen sind. Keine Pferderl vorm Happel-Stadion, sondern nur vor Fiaker gespannt… ich waß net. Egal, als Steirer – und nun verfiel er in tiefen weststeirischen Dialekt – bin a Jaga. Auf mei`m Hochsitz siech ich durchs Fernrohr den 16-Ender, direkt vor mir. Bevor i Abdruck, wo dann der Rückstoß ganz wüd is, da fallt ma der Gudenus ein. Sie wissen scho, der damals auf Ibiza mit dem Strache, der da mit dem Gweht gwachelt hat, wie koa Jaga schieß`n tatat. Oba i hab dann echt abdruckt – da Hirsch flog rechts um, i nach hinten. Wie schön is unsere Natur in der Steiermork…

 

Als slowakischer Angler, behmakelnd vom Feinsten / Cagran
Als slowakischer Angler, behmakelnd vom Feinsten / Cagran

Blieb in der Draufgabe noch ein echtes schauspielerisches Schmankerl: Seberg als Slowake beim Fischen. Behmakeln vom Feinsten. Das Outfit, als würde Otto Walkes die Bühne betreten haben. Der Haken, so Gregor, der Angler: den Haken hab i glei amal wegg`schmissen und mein Leben auf Karotten umgestellt. „Sieht man doch eh an meiner Figur…“. In der „dritten Halbzeit“, beim Abtritt des Publikums zu einem Fan: Ja, sie kenn` i eh – ich hab sie letztes Mal g´sehen, wie sie mir daham von der Couch zugewunken haben, wie i grad im Fernsehen war…“. Apropos Fernsehen: Ab der nächsten, der 25. Staffel von Soko Donau kehrt Gregor Seberg als Oberst Helmut Novak zurück. Sein einst kongenialer Kollege Stefan Jürgens ist jedoch nimmer dabei. Und er, Seberg, wird dem Vernehmen nach ähnlich zurückkehren, wie er einst die Serie als Auswanderer punkte Heiratssachen verlassen hat: als Heimkehrer von ebendort. Doch, so Seberg im graz-live-Gespräch: „Auch in Graz wurde für diese Staffel gedreht, mehr kann und darf ich leider nicht verraten“. Und: Ich komme aber auch wieder auf diese Kabarett-Bühne – das macht mir mindestens genauso viel Spaß, wie die Schauspielerei“.

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