Kampus-Abschied: „Zwei Seelen in meiner Brust“
- Erich Cagran

- 9. Dez. 2025
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Die jüngste Bezirksversammlung in Andritz geriet zur de facto Null-Nummer. Wäre da nicht der merkwürdige Abgang vom SPÖ-Bezirksvorsteherin Doris Kampus gewesen.

Der (vorerst) letzte Bericht von Doris Kampus war eine Art „fand statt“. Für eine Verbesserung der Bezirksdemokratie hat nach mehreren Anläufen der Gemeinderat ein Paket beschlossen. „Die Behandlung von 62 Details sei ein wichtiger erster Schritt, die weiteren Verhandlungen finden aber in der Stadtregierung statt“, so Kampus. Und: Bisherige Details seien online abrufbar.
Die von der Opposition viel kritisierte Studie zur Lebensqualität besagte, dass die Andritzer überdurchschnittlich zufrieden seien. Verkehr und Arzttermine seien immer ein Thema. Kampus: „Ich find`s g`scheit, wenn man zumindest einen Überblick hat…“. Und für die Verkehrsentflechtung am Andritzer Hauptplatz, wie sie im Mobilitätsplan für 2026 genannt wurde, gibt es nach wie vor nur „Gespräche der Stadtplanung“ – bezogen auf Platz-Neugestaltung durch Bäume und Bänke. Eine Verkehrs-Lösung ist aber nicht im Gespräch.
Anfragen in die Bezirksräte aus der Bevölkerung zum Mobilitätsfest vom 19. September 2025, wo auf es Ausweichrouten durch schmale Gassen ohne Gehsteig etc. zum Chaos gab, blieben völlig unerwähnt. Ebenso kein Wort zu der in der Herbst-Bezirksversammlung gestellten Anfrage hinsichtlich der höchst dringenden Hochwasser-Ausbauten am Schöckelbach. Obwohl von Kampus zugesagt, diese Frage in dieser Sitzung zu behandeln. Zur Anfrage hinsichtlich der 2023 zugesagten und 2025 wieder abgesagten Wohnstraßen Geißlergasse und Zelinkagasse sagte die (noch) Bezirksvorsteherin lapidar: „Diese werden derzeit nicht umgesetzt“. Punkt.
Nach langatmigen Diskussionen um finanzielle Zuwendungen für bedürftige Familien in Andritz (Antrag: 3.500 EUR/Jahr), sowie im gleichen Ausmaß für das Jubiläum samt hochkarätigem Benefizkonzert, hat man letztendlich zugestimmt – aus dem noch restlichen Bezirksbudget für 2025 in Höhe von 14.191 EUR.
Den Schlussakkord setzte Bezirksvorsteherin Doris Kampus, als einzige SPÖ-Vertreterin im 12-köpfigen Gremium: „Ich sage es nun und habe dabei zwei Seelen in meiner Brust: Ich werde mit Jänner 2026 die Funktion zurücklegen, bleibe aber normales Bezirksrats-Mitglied. Meine Nachfolge wird Ulrich Pichler von der Grünen übernehmen“.
Dann ging es rechtlich zur Sache. Obwohl Kampus de facto alles sagte, muss dafür eine Neuwahl innerhalb Gremiums stattfinden (inklusive offizielle Angelobung des Neuen), zu dem Bürgermeisterin Kahr den Auftrag geben muss. Da meldete sich ÖVP-Bezirksvorsteher Christian Jelesic zu Wort. Er findet die Vorwegnahme undemokratisch und brüskierend, zumal seine Fraktion mit 4 Bezirksräten die stärkste im Bezirksrat ist. Im graz.live-Gespräch erklärte Kampus am Ende: Die Grünen haben auf einen Koalitionsbeschluss aus 2021 bestanden, wonach sie das Recht auf die Bezirksvorsteher-Funktion hätten, den Kampus nicht einmal kannte…
Konkret: Andritz bekommt im 5. Jahr der Koalition – nach Xenia Hornbacher, Sabine Jungwirth (Gattin von Ex-Vizekanzler Werner Kogler), beide von den Grünen, Karin Reimelt (KPÖ) und SPÖ-Kampus - nun den fünften Bezirksvorsteher. Auf der Strecke bleiben dabei nur die Bürger von Andritz, deren überwiegende Mehrheit nicht sagen kann, wer Bezirksversteher ist und – wohin sie sich wenden sollen, wenn es Bezirksprobleme gibt.
Erich Cagran


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