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„Gewalt am BORG”: Fall für Staatsanwalt

  • Autorenbild: Karl-Heinz Leiss
    Karl-Heinz Leiss
  • 6. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Aug.

War das BORG Dreierschützengasse  – am 10 Juni Schauplatz des unfassbaren Mordes an neun Schüler:innen und einer Lehrerin – doch nicht die tolle Vorzeigeschule?  Diese Frage stellt sich,  nachdem heute Dienstag Dominik Egger, Vater einer Schülerin und Sprecher der Bewegung „Echte Reformen nach Graz” eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Graz eingebracht hat. Einer der darin erhobenen Vorwürfe: Ein Lehrer soll einem Schüler gegenüber gewalttätig geworden sein – wofür ein Videobeweis existiert.


Dominik Egger Vater einer BORG Schülerin, Sprecher der Bewegung „Echte Reformen nach Graz" und Organisator eines Stermarsches, will, das Staatsanwalt „Gewalt gegen Schüler am BORG Dreierschützengasse" untersucht. (Foto: Egger)
Dominik Egger Vater einer BORG Schülerin, Sprecher der Bewegung „Echte Reformen nach Graz" und Organisator eines Stermarsches, will, das Staatsanwalt „Gewalt gegen Schüler am BORG Dreierschützengasse" untersucht. (Foto: Egger)

„Nach zwei Jahren brechen Schüler:innen des BORG Dreierschützengasse ihr Schweigen. Eine mutige Schülerin riskierte alles, um Gewalt zu dokumentieren. Andere bezeugen systematische Einschüchterung und Betrug. Um ihnen Gehör zu verschaffen, habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen”, erklärt Egger gegenüber graz.live.


Konkret geht es um folgende Vorwürfe, die Egger in seiner Sachverhaltsdarstellung erhebt und auf strafrechtliche Relevanz geprüft sehen möchte:

  • Ein 8-Sekunden-Video zeigt einen Lehrer, der einen Mitschüler würgt

  • Die filmende Schülerin wurde von der Direktorin bedroht

  • Mitschüler:innen wurden aus Klassenfotos "weggepixelt"

  • Ein 18-Jähriger wurde durch Täuschung seiner Bildung beraubt


„Nach dem Amoklauf vom 10. Juni können diese jungen Menschen nicht länger schweigen. Ihre Courage verdient unsere Aufmerksamkeit” sagt Egger und präzisiert die Fälle, in denen die Schüler.Innen bereit seien, über  das  „System der Gewalt am BORG auszupacken.“

Und das sind die von Egger gesammelten Fälle:


Die Schülerin, die alles riskierte

Sie war mutig genug zu filmen, was alle sahen aber niemand anzeigte: Ein Lehrer des BORG Dreierschützengasse packt einen Schüler am Kragen, drückt ihn gegen die Tafel. Der Pullover rutscht bis zur Brust hoch. Dann das Anschreien: "Beim Direktor, RAUS!"

Acht Sekunden Video. Hunderte Schüler:innen teilten es untereinander. Ein offenes Geheimnis.

Was geschah mit der mutigen Filmerin? Direktorin S. bestellte sie ein. Statt Dank für Zivilcourage kam eine Drohung: „Sie sollten froh sein, dass der Lehrer Sie nicht anzeigt."

Die Botschaft verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den Schüler:innen: Wer Gewalt dokumentiert, wird selbst zum Täter gemacht. Das Schweigen war perfekt organisiert.

Das Opfer der gefilmten Gewalt kann bis heute - über zwei Jahre später - nicht darüber sprechen. „Er ist so traumatisiert, dass er keine Aussage machen kann", sagt Egger.


„Weggepixelt” - Die ausgelöschten Schüler:innen

„Ich existierte plötzlich nicht mehr", beschreibt eine weitere Schülerin ihr Trauma. Nach einem harmlosen Streich - Stinkefinger auf dem Klassenfoto – wurden sie und andere nicht nur getadelt. Sie wurden komplett aus den Fotos entfernt.

„Nicht nur der Finger. Wir als Menschen wurden wegretuschiert", erzählt sie. Wochenlang konnte sie nicht zur Schule. Die Wiederaufnahme? Nur nach demütigenden Gesprächen, die ihre Mutter als „Kriechen” beschreibt.


Abgemeldet

Ein 18-jähriger Schüler berichtet: „Sie sagten, ich soll etwas unterschreiben. Danach hieß es: Sie haben sich gerade selbst abgemeldet."  Seine Mitschülerin bezeugt: Alle Entschuldigungen waren abgegeben. Die Behauptung der Schulleitung war eine Lüge.



Und Dominik Egger zitiert noch die Aussagen vom zwei weiteren Schülerinnen: „Der Amoklauf hat alles verändert. Wir können nicht mehr schweigen, wenn Systeme Kinder brechen." Und eine andere: „Es geht nicht um Rache. Wir wollen, dass kein Kind mehr erleben muss, was wir erlebt haben."

Das Poster, mit dem für die Petition zu echten Reformen des Schulsystems geworben wird,
Das Poster, mit dem für die Petition zu echten Reformen des Schulsystems geworben wird,

Sternmarsch nach Wien

„Diese mutigen jungen Menschen verdienen Gerechtigkeit", betont Eggers, der bereits kurz nach der Amoktat begonnen hat, über die Plattform  meinaufstehen.at Unterschriften für eine Petition an die Bundesregierung zu sammeln.  Ziel: eine echte grundlegende Reform des österreichischen Schulsystems. „45.000 Menschen unterstützen bereits die Forderung nach echten Reformen” sagt der Aktivist. Und er hofft, dass möglichst viele von ihnen vom 24. August bis 3. September bei dem von ihm organisierten Sternmarsch von Graz nach Wien mitmarschieren.


Weitere Infos zur Petition und zum Sternmarsch gibt es unter:


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